Holga Photographie

Was ist Holga?

 

Natürlich eine Kamera, sonst würde ich hier nicht darüber schreiben. Die Holga ist eine sehr einfache und wirklich billige Mittelformat-Kamera, die erstmals 1982 in Hongkong gebaut wurde.

Sie wurde speziell für den chinesischen Markt entwickelt, fand dann ihren Weg in die weite Welt und genießt mittlerweile Kultstatus bei Fotografen, die sich nicht ausschließlich auf die klare und kühle Digitalfotografie beschränken wollen.

Die Fotos weisen zahlreiche technische Mängel auf, wie beispielsweise Unschärfen, Streulicht, starke Vignettierungen oder Farbverfälschungen. Dadurch entsteht ein ganz eigener und unnachahmlicher Look.

 

Seit einigen Jahren gibt es auch ein Holgobjektiv aus Kunststoff, mit dem die holgatypischen Fehler an SLR- oder DSLR-Kameras annähernd erreicht werden können.

Dieses Objektiv ist baugleich mit dem an der Holga verwendeten. Es hat eine Brennweite von 60 mm und ist für die Mittelformatfotografie daher etwas weitwinklig, da die Normalbrennweite bei der Mittelformatfotografie bei 80 mm liegt. Das Objektiv für DSLR hat ebenfalls 60 mm ist aber je nach Kamera (APS-C oder Kleinbild Vollformat) entsprechend mehr im Telebereich, also 60 mm bei Kleinbild und 96 mm bei APS-C (z.B. Canon).

 

Die Optik ist meistens aus Glas oder auch aus Kunststoff (Plastic Lens). Sie verzerrt alle Linien, die sich im Bild befinden, auch Linien die durch die Mitte des Bildes gehen,  die Verzerrungen sind asymmetrisch und variieren von Modell zu Modell, die Linsen sind nicht vergütet, daraus resultiert eine schlechte Kontrastwiedergabe, das Objektiv beschneidet aufgrund der fehlenden Vergütung mit einer weich verlaufenden Kurve das wiedergegebene Farbspektrum, was eine eigene Farbcharakteristik entstehen lässt und das Objektiv ist nicht über die gesamte Bildebene gleichmäßig scharf. Meistens ist es in der Mitte relativ scharf und wird gegen die Ränder unschärfer. Richtig scharf wird es jedoch nie.

Ebenfalls gibt es nur wenige Einstellmöglichkeiten. So kann man über einen Schiebeschalter an der Unterseite des Objektivs zwischen der Normalbelichtungszeit (ca. 1/100 sek.) und der Möglichkeit für eine Langzeitbelichtung wählen, die Blende von f11 (Sonnensymbol) auf f8 (Wolkensymbol) wechseln und vier Schärfebereiche von 0,7 - 1m, 2m, 6m und 10m -  einstellen. Auch Mehrfachbelichtungen sind auf einfachste Weise möglich, indem der Film einfach nicht weiter transportiert wird. Also nicht wirklich umfangreiche Möglichkeiten.

 

Warum dann mit einer Holga fotografieren?

 

Das Fotografieren mit den Kunststoff- oder unvergüteten Glaslinsen des jeweiligen Objektivs bricht die Sterilität des digitalen Zeitalters und den einseitigen Drang zur absoluten Bildschärfe und Klarheit, der zuweilen das Motiv außer Acht läßt.  Auch wird man bedachter und langsamer fotografieren, da das Filmmaterial (120er Rollfilm oder 35 mm Kleinbildfilm) einen nicht unbeträchtlichen Kostenfaktor darstellt. Ebenfalls ist die Verarbeitungszeit länger, da das Filmmaterial in der Dunkelkammer entwickelt, auf Papier ausbelichtet oder für die digitale Weiterverarbeitung eingescant werden muß, ehe man ein Ergebnis sehen kann. Dies führt unweigerlich dazu, dass man genauer über das Foto nachdenkt, welches man anfertigen will. Und nicht zuletzt ist das Thema Kreativität ein wesentlicher Aspekt, denn die Möglichkeiten der Bildgestaltung sind hier fast unbegrenzt, weil man sich nicht auf die technischen Details sondern auf das Gestalten konzentriert.

Auch kann man das Ergebnis nicht immer 100% kontrollieren weil sich zum Beispiel bei Gegenlicht die Strahlen in allen Regenbogenfarben brechen und das zu wunderbaren Farbeffekten führt.

 

Hat man sich dafür entschieden, mit einer Holga auf Motivjagd zu gehen, ist es durchaus notwendig, sich dem Fotografieren mit der Holga beziehungsweise dem Holgaobjektiv erst langsam zu nähern und die kreativen Möglichkeiten durch ständiges ausprobieren zu erkennen und auszuprobieren. Dies erfordert Neugier und Offenheit für Neues.

Aber die Holga ist keinesfalls ideal, um in die Fotografie einzusteigen. 

 

Das Ganze ist aufbauend. Wenn Fotografie die Partitur ist, so wird die Holga darauf eine zusätzlich mögliche Stimme sein. Der fotografische "Ausdrucksbereich" wird sich damit erweitern.

aktuelle Termine

Die Fotoecke

Jahresthema:

"Mehrfachbelichtung"

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Die Fotoecke ist ein Projekt des Förderverein Pankroma e.V. und richtet sich mit vielen unterschiedlichen Workshops an ambitionierte Fotografen, Fotointeressierte und Fotoanfänger.

Jeden 1. und 3. Dienstag im Monat treffen sich die Fotografen im Kurt Lade Klub, Grabbeallee 33, 13156 Berlin ab 19:00 Uhr.

Jeder ist herzlich willkommen!